Die Zeder
Ich wachse langsam. Meine Zeit
ist eine lange Geduldigkeit.

An allem wuchs ich, was mir ward
kein Reif zu jäh, kein Frost zu hart.

Ich wachs am Dunkel, daraus ich stieg,
ich wachs im Licht, darin ich mich wieg.

Ich wachs am Wurm der an mir nagt,
ich wachs am Sturm, der durch mich jagt.

Veredelnd zwing ich jede Kraft,
hinaufzudehnen meinen Schaft.

Ich dulde Blitz und Glut und Guss
ich weiss nur dass ich wachsen muss.

Und schau ich hoch auf alle Welt,
und kommt die Stunde die mich fällt

schmück Tempel ich und Paradies
des Schöpfers der mich wachsen liess.


Leontine von Winterfeld-Platten